Die erste Reise vor über 25 Jahren

Leipziger Brandschützer zu Gast bei ihren Kollegen in Kalifornien

Nach nunmehr zwei Jahren Kontakt zur Feuerwehr in Kalifornien, sowie mehreren Besuchen der amerikanischen Kameraden, machte sich 1993 erstmals eine Leipziger Gruppe bestehend aus Freiwilligen- und Berufsfeuerwehrleuten unter der Leitung von Matthias Dünkel auf den Weg nach Kalifornien.

“Waldbrände, Wolkenkratzer und schusssichere Westen: Eine Delegation Leipziger Feuerwehrleute reiste nach Kalifornien, um sich vor Ort die Arbeitsweise der amerikanischen Brandschützer anzusehen. Es wurde ein Ausflug rund um die verheerenden Buschbrände der vergangenen drei Wochen bei Los Angeles” - Aus LVZ, 20./21. Nov. 1993

Aus “Unabhängige Brandschutzzeitschrift” 2/94

Aus “Unabhängige Brandschutzzeitschrift” 2/94

Vorbereitung

Bereits im Juni 1993 begannen die Vorbereitungen für das große Abenteuer. Letztendlich ergab sich eine Gruppe von 12 Feuerwehrkameraden, bestehend aus 6 freiwilligen und 6 beruflichen. Darunter u.a. ehem. stv. Stadtbrandmeister Matthias Dünkel, ehem. Kreisjugendwart Horst Fischer, ehem. Brandmeister Matthias Bessel, ehem. stv. Amtsleiter Jürgen Reichardt, Kam. Joachim Pretrasch, Kam. Uwe Höhne, Kam. Peter Heitmann und weitere.

Eine Gruppe bestehend aus Gruppenführern und Einsatzkräften sowie 20- bis 59 jährigen, dennso konnten viele Chargen vertreten werden.

Ein Gruppenfoto in der Wells Fargo Bank

Ein Gruppenfoto in der Wells Fargo Bank

 

Tag 1 - Samstag, 5. November 1993

Sprachlos und vom Ausmaß der Zerstörung beeindruckt stehen die Kameraden auf dem Skyway Drive von Laguna Beach, wo kurze Zeit zuvor noch verheerende Flächenbrände tobten.

Ehem. Fire-Investigator Harvey erzählt den Leipziger Kameraden vor Ort, genauere Informationen über Brandausbreitung, Brandbekämpfung und Schwierigkeiten der Kollegen vor Ort, dabei entdeckten sie viele Parallelen zur Arbeit in Deutschland

Abends hieß es dann für die Leipziger Kameraden, Erfahrungen beim Ausrücken bei Feuerwehr- und Rettungseinsätzen zu Sammeln.

Brandmeister Matthias Bessel (FF Leipzig-Ost) vor den Überresten eines amerikanischen Traumes in Laguna Beach. Diese Villa eines Walt-Disney-Managers kostete Millionen.

Brandmeister Matthias Bessel (FF Leipzig-Ost) vor den Überresten eines amerikanischen Traumes in Laguna Beach. Diese Villa eines Walt-Disney-Managers kostete Millionen.

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Viel Erfahrung konnten unsere Kameraden sammeln, als sie sich mit Begeisterung die amerikanische Löschtechnik vorstellen ließen.

Aber auch Erholung und Spaß musste nach etwa 11 Stunden Flug und 9 Stunden Zeitunterschied sein, so ging es am nächsten Tag für die Messestädter ins Disneyland und an den Pazifik.

Tag 2 - Sonntag, 6. November 1993

Horst Fischer (FF Leipzig-Ost) war der älteste und einzige Kamerad, welcher den Mut hatte, gemeinsam in einer Einsatzübung teilzunehmen und während dessen die 33 m Drehleiter zu besteigen.

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Feuerwehrschule in Annaheim - Horst steigt während der Übung als einziger deutscher auf die 33m Leiter

Feuerwehrschule in Annaheim - Horst steigt während der Übung als einziger deutscher auf die 33m Leiter

LVZ Berichtete:

“Respekt, Respekt: Horst Fischer, mit 59 jahren ältester L.A.-Besucher und bei der Freiwilligen Feuerwehr, bewies, daß alt noch lange nicht rostig heißen muß. Bei einer Übung war er der einzige, der sich auf die 33 Meter hohe amerikanische Feuerwehrleiter wagte.”

 

Tag 3 - Montag, 7. November 1993

Die neue Woche began mit einer Reise nach Los Angeles und der Besichtigung der vielen Feuerwachen dort vor Ort.

Kurz nach der Ankunft werden die Gäste von Donald O. Manning, dem damaligen Feuerwehrchef von Los Angeles empfangen und zur Vorstellung seiner Wehr in den Konferenzraum des Rathauses geführt, wo die Feuerwehr dort ihren Sitz hat.

Vor Ort erhielten sie ein interessantes Informations- und Lehrprogramm und bekamen praktische Hinweise zur Taktik in den USA.

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Tag 4 - DIENSTAG, 8. November 1993

Morgens trafen sich die Leipziger Kameraden in L.A. mit Chief Manning, von wem sie einen Überblick über die Feuerwehr in Los Angeles bekamen. Technik wurde vorgestellt, unzählige Fragen beantwortet und etliche Bilder geschossen.

Die alte und neue Feuerwehrleitstelle, erdbebensicher 4 Etagen unter der Erde wurde mit all ihren Möglichkeiten vorgestellt. Große technische Unterschiede wurden deutlich: Während zum beispiel Leipzig 1993 nur einen Arbeitskanal im 4m Band nutzte, funkte die Feuerwehr von LA zu der Zeit schon mit 18 Kanälen im Stadtbereich - alles koordiniert in der (neuen) Feuerwehrleitstelle unter der Erde.

Vom Leiter der Feuerwehr von L.A., Chief Engineer und General  Donald O. Manning   (Mitte) , werden der stv. Amtsleiter von Leipzig  Jürgen Reichardt   (Links)  und der stv. Stadtbrandmeister  Matthias Dünkel  empfangen.

Vom Leiter der Feuerwehr von L.A., Chief Engineer und General Donald O. Manning (Mitte), werden der stv. Amtsleiter von Leipzig Jürgen Reichardt (Links) und der stv. Stadtbrandmeister Matthias Dünkel empfangen.

Vier Etagen unter der Erde, in der neuen erdbebensicheren Feuerwehr und Rettungsleitstelle von Los Angeles, mit einem Kostenpunkt von rund 60 Millionen US-Dollar. Sie ist Mitte 1994 in Betrieb gegangen

Vier Etagen unter der Erde, in der neuen erdbebensicheren Feuerwehr und Rettungsleitstelle von Los Angeles, mit einem Kostenpunkt von rund 60 Millionen US-Dollar. Sie ist Mitte 1994 in Betrieb gegangen

 

Tag 5 - Mittwoch, 9. November 1993

Nach einem Frühstück mit Fire Chief O. Manning auf Station #3 gab es einen spektakulären Rundflug über L.A. mit einem der vielen Feuerwehrhubschrauber welcher u.a. für die Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden genutzt wird.

Rundflug mit dem Feuerwehrhubschrauber

Rundflug mit dem Feuerwehrhubschrauber

Über dem Strand von Malibu

Über dem Strand von Malibu

Nach dem Flug über L.A. und Malibu zur Fire Station #49 gab es Mittagessen, danach ging es zu einer Hafenrundfahrt mit dem Feuerlöschboot.

 

Zu einem Empfang der Feuerwehrorganisation von Los Angeles wurde unsere Delegation am Abend in einem Luxusrestaurant der Music Hall Los Angeles zum Abendessen eingeladen.

Es war das erste mal, das Personen, die nicht zum Personal des Chefs gehören diese Ehre bekamen.

Beim Chef (Donald Menning)

Beim Chef (Donald Menning)

Auf dem Weg zum Treffen der Chiefs in der Music Hall (Chandler Music Center)

Auf dem Weg zum Treffen der Chiefs in der Music Hall (Chandler Music Center)

 

Tag 6 - Donnerstag, 10. November 1993

Weitere Exkursionen führten die Leipziger Kameraden zur Hafenfeuerwehr, in die Feuerwehrwerkstätten, in das Katastrophenschutzzentrum und zum Lager auf der Feuerwache 90 in San Fernando Valley.

Die Leipziger Delegation bekam eine Vorführung der Brandschutztechnik in Hochhäusern, Vorträge über den Katastrophenschutz, die Einsatzleitung und die Brandschutzvorbeugung in Amerika.

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Gefährliche Sache:

Abends auf der Feuerwache #11, mitten in der City von L.A. sind Horst Fischer und Eckhard Groitzsch stationiert, dort haben sie ihre Ausrüstung für den Einsatzfall zurecht gelegt. Später rücktensie mit Mario Westphal, einem ausgewanderten Ex-Berliner, welcher als Sanitäter bei der Feuerwehr in L.A. arbeitet zu einer Messerstecherei in Downtown aus. Bevor die Kameraden los fuhren zogen sie schusssichere Westen an, um sicher zu gehen, berichtete Horst Fischer.

Zum Abschluss des Besuches freute man sich den deutschen Feuerwehrleuten in den Hollywood Studios zu zeigen, wo und vor allem wie man den ikonischen Film “Backdraft” drehte. Die Universal Studios luden Feuerwehrmänner von Los Angeles und Umgebung zu Führungen durch die Studios des Films “Backdrafdt“ ein.

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Tag 7-9 - 11. bis 13. November 1993

Die letzten Tage des Trips in die USA ging es nach San Francisco, wo mehr für eine private Erholung gesorgt wurde.

Die Kameraden bestaunten die Golden Gate bridge, fuhren mit den bekannten Cable Cars, besuchten Malls und lernten die Leute kennen.

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Auch die bekannten steilen Straßen, sowie die Lombard Street blieben dem Besuch nicht aus

Nach einem weiterem Aufenthaltstag und mit einem Bummel durch San Francisco kamen die Reisenden am 13. November 1993 wieder gut in Leipzig an.

 

Das Ergebnis der Reise:

Beide Seiten möchten seither den gegenseitigen Erfahrungsaustausch beibehalten. Donald O. Manning und Roger Fitschen wurden zu Ehrenmitgliedern der Feuerwehr Leipzig ernannt.

In der Heimat beschäftigten sich nach der Wiederkehr mehrere Arbeitsgruppen mit der Auswertung der gesammelten Informationen. Darunter Fachvideos, Einsatzunterlagen und mehr.


Ein Besonderer Dank geht an Horst Fischer, für das Bereitstellen der Zeitungsartikel, Bilder und Informationen über den aller ersten Feuerwehraustausch aus Leipzig!

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Quellen und Bildrechte:

  • “Unabhängige Brandschutzzeitschrift” Ausgabe 2/94

  • Leipziger Volkszeitung LVZ, Ausgabe 20./21. Nov. 1993

  • Horst Fischer (FF-Ost)